Schon bald nach Kriegsende lösten die Alliierten alle Turn- und Sportvereine in Deutschland auf. Es handelte sich dabei um eine Maßnahme, alle nationalsozialistischen Sportvereine abzuschaffen. Erlaubt wurde aber damals auch die Neugründung nichtmilitärischer Sportorganisationen. Schon kurz nach dem Untergang wurde in Deutschland wieder Sport getrieben.

Der bis 1934 existierende TSV Friedrichsberg stand wohl mit seinem Namen Pate für die Sportlerinnen und Sportler, die aus dem Reichsbahn-Post-Turn- und Sportverein kamen und am 29. Januar 1948 den Friedrichsberg-Busdorfer TSV gründeten. Der Doppelname hat seine Begründung in der Tatsache, aß Busdorfer Sportler dem Verein beitraten. Es ist heute sehr schwer, alle Personen zu nennen, die an der Vereinsgründung beteiligt waren. Für alle stellvertretend werden genannt:
Bugenhagenschule Hans Paulsen, Willy Hagge, Ernst Biermann, Hans Göttsches, Henry Ehrig, Karl Plöhn, Lehrer Wagner, Heinz Plagmann, M. Domachowski, Wilhelm Brinkmann, Herbert Nonnsen, Horst Viol und Annemarie Kruse. Leider ist das Protokoll oder eine andere Unterlage über die Gründung nicht mehr vorhanden.

Als Sportarten wurden angeboten: Schwerathletik, Ringen, Leichtathletik, Geräteturnen, Schwimmsport, Handball, Hallensport und Tischtennis. Die Bildung einer Jugend- und Frauenabteilung wurde ebenfalls beschlossen. Dem Verein stand die Bugenhagenschule und die Schlagball-Koppel am Husumer Baum zur Verfügung. Die Schwerathleten trainierten in der Turnhalle der Gehörlosenschule und die Tischtennisabteilung durfte die Räume der Guttemplerloge am Hornbrunnen benutzen. Die Schwimmer trainierten im Marienbad.

Am 10. Februar fand die erste Mitgliederversammlung statt; leider gibt es wie von der Gründungsversammlung kein Protokoll. Lediglich ein Artikel in den Flensburger Nachrichten vom 17.02.1949 ist erschienen. Als erster Vorsitzender wird H. Nonnsen genannt.

Durch die sportlichen Erfolge des Vereins wurde dieser bald in einem großen Umkreis bekannt. Zunächst waren es die Leichtathleten, die den Verein über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machten. Die Turner und Turnerinnen waren dagegen sehr bescheiden und übten ihren Sport im Stillen aus. Ende 1949 hatte der Friedrichsberg-Busdorfer TSV rund 500 Mitglieder und war damit größter Verein in Schleswig.

Auch machten die Friedrichsberger ihren Gegnern das Leben schwer. Besonders die Handballspieler und Schwimmer machten es ihren Kontrahenten nicht leicht, wie es ein Beitrag im Flensburger Tageblatt vom 23.07.1949 widerspiegelt. Man spricht dort von ernstzunehmenden Gegnern bei Handball und Schwimmen.

In einem Bericht der Flensburger vom 17. September 1949 findet sich der erste Hinweis auf die bevorstehende Gründung einer Fussballabteilung. Die Fussballsparte wurde dann Ende 1949 gegründet. Vorausgegangen war ein knapper Vorstandsbeschluß, der sich mit 6:5 Stimmen für die Gründung der Abteilung aussprach.

Im Juli 1949 erschien dann die erste Informationsschrift des Vereins. Um alle Mitglieder über das Vereinsgeschehen zu informieren, reichten damals offensichtlich 8 Seiten. Wer den Text der abgedruckten ersten Seite aufmerksam liest, findet in ihm die Grundsätze der Turnerbewegung wieder. Leibesübungen seien der "Urquell der Freude und Erholung" und als oberstes Ziel der Leibesübungen werden "Harmonie von Körper, Seele und Geist" genannt.

Besonders fällt auf, daß in der Informationsschrift der bezahlte Sport den Unmut der Vereinsführung hervorruft. Eine Forderung der Vereinsnachrichten ist damals wie heute die Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Sportverein: Der selbstlose Einsatz von Idealisten. Sicherlich kann dieser hohe Anspruch heute nur noch eingeschränkt gesehen werden, da die Zeiten sich doch erheblich geändert haben. Trotzdem lebt ein Verein heute nur durch die vielen ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder, die sich sehr oft mit hohem persönlichen Engagement für den Verein einsetzen. Die sportlichen Erfolge des Vereins kommen in dem nebenstehenden Artikel der Schleswiger Nachrichten vom 05.07.1950 zum Ausdruck.

Das natürlich neben allen sportlichen Erfolgen und Betätigungen die Geselligkeit nicht zu kurz kam, kommt in einer Einladung zum Herbstvergnügen 1949 zum Ausdruck. Der damalige Eintrittspreis von DM 1,25 darf nicht täuschen, dies entsprach immerhin etwa einem Stundenlohn.

Es ging in der folgenden Zeit stetig aufwärts. Viele Vorstandsmitglieder arbeiteten damals wie heute als Abteilungsleiter. Ein Name verdient es, besonders herausgestellt zu werden: Emil Jochem. 1952 dann wurde bei einer Generalversammlung der Antrag auf Beitragstrennung zwischen der Fussballsparte und den anderen Abteilungen gestellt. Über diesen Antrag wurde langandauernd und heftig diskutiert. Hintergrund des Antrages war es, daß keine Sparte über ihren Beitrag hinaus plant und wirtschaftet. Zusätzliche Ausgaben solle der Verein tragen. Im Protokoll wird vermerkt: Der Antrag wird zurückgezogen.

Wie war es nun um die Platzverhältnisse in Schleswig bestellt? Die Fussballer und Leichtathleten des Friedrichsberg-Busdorfer TSV trainierten auf dem Sportplatz am Husumer Baum. Aus heutiger Sicht wäre dieser Platz wohl als Biotop zu bezeichnen. Das Gelände soll sehr gefürchtet gewesen sein. Damals gab es auch zum Umziehen nur einen ausgedienten Personenwagen der Bahn, der aber bald ausgeschlachtet wieder nach Hamburg rollte. Ersatz bot die Wellblechhütte, die gleichzeitig als Materiallager diente. Als Dusche diente der "Kruse-Teich", hier konnten sich die Sportler waschen. Später durften sich die Fussballer in der Waschküche bei Fritz Theel (heute Gewoba-Klause) waschen und umziehen.

1955 fand erneut ein Wechsel in der Vereinsführung statt. Bei der Generalversammlung am 28. Januar 1955 in der Gaststätte "Zum Margarethenwall" wurde mit großer Mehrheit Kurt Will zum ersten Vorsitzenden gewählt. Kurt Will war dann insgesamt 14 Jahre erster Vorsitzender sein, er wird mit dieser Zeit nur noch von Holger Plöhn übertroffen, der (mit einer Unterbrechung) insgesamt 18 Jahre den Verein leitete. Auch wenn Kurt Will sich zunächst der Fussballjugend besonders annahm, behielt er doch die Sorgen und Nöte der gesamten Vereinsjugend im Auge. So spendierte er zum Beispiel großzügig eine Fahrt nach Österreich!

Im Laufe des Jahres 1955 stand dann fest, daß der Sportplatz Husumer Baum Bebauungsgebiet werden sollte. Der Vorstand und die Behörden der Stadt sahen sich nach einem geeigneten Gelände für einen neuen Sportplatz um.

Auf den "Ziegelhofwiesen" hinter dem Prinzenpalais wurde ein passendes Gelände gefunden. Allerdings standen nun große Probleme ins Haus: Die Finanzierbarkeit des Vorhabens. Nach vielen Schwierigkeiten und sehr viel Arbeit der Beteiligten konnte der Platz, der den Namen "Prinzenplatz" erhielt, dann 1960 seiner Bestimmung übergeben werden. In diesem Zusammenhang ist wiederum Kurt Will zu nennen, der sich große Verdienste um den Bau des Platzes erworben hat. Doch mit dem Bau des Platzes allein war es nicht getan; zusätzlich wurden Umkleideräume, eine zentrale Stelle für die Jugendlichen des Vereins und eine Wohnung für den Platzwart benötigt. Im Herbst 1961 wurde eine Baracke aufgestellt. Danach ging der Ausbau so schnell voran, wie es die Finanzlage des Vereins gestattete. Hier war es wiederum Kurt Will, der häufig mit seinem privaten Geld einsprang. Erst sechs Jahre später, also 1967, war das neue Vereinsheim fertig. Am 30. Dezember fand dann das erste Skatturnier dort statt. Nun hatten auch die Tischtennisspieler eine Trainingsstätte, die sie vorübergehend nutzten. 1969 dann hielt man erstmals in eigenen Räumen eine Mitgliederversammlung ab. Am 27. Januar 1970 wurde der langjährige Vorsitzende Kurt Will von Holger Plöhn abgelöst.

Durch die hohen Ausgaben lasteten noch enorme Verbindlichkeiten auf dem Verein, die Tilgung dieser Schulden war für Holger Plöhn oberstes Gebot. Durch eine gute Vereinsarbeit verdoppelte sich die Mitgliederzahl im Jahre 1971 auf 645. 1972 traten nochmals 125 SportlerInnen dem Verein bei. Doch steigende Mitgliederzahlen bereiteten dem Vorstand auch Sorgen. Durch die ständige Weiterentwicklung des Vereins bzw. durch steigende Mitgliederzahlen mangelte es an Übungsstätten, Übungszeiten in den Turnhallen und teilweise auch an Geräten. Erschwerend kam hinzu, daß die Sportplätze oft in einem unbespielbaren Zustand waren. 1976 wurde das Jugendheim nochmals umgebaut, da eine Kantine eingerichtet werden sollte. Sorge bereitet aber nach wie vor die Hallensituation.

Zwei Jahre später stehen erneut die Wahlen zum ersten Vorsitzenden an. Die außerordentliche Mitgliederversammlung fand im Vereinsheim am Prinzenplatz statt.

Das Jugendheim hatte sich inzwischen zu einem zentralen Punkt des Vereinslebens entwickelt. Faschingsfeiern, Skatturniere und unzählige Feiern wurden dort abgehalten. Der Prinzenplatz war Schauplatz für Gymnastik- und Sportschauen. Doch zwei Jahre später Alarmstimmung: Der Friedrichsberg-Busdorfer TSV muss um die Anlage Prinzenplatz bangen. Grund für diese Befürchtungen ist der Pachtvertrag von 1956. Dieser Vertrag läuft im Jahre 1981 aus. Der Vorsitzende Holger Plöhn vermutet Böses, soll doch eine Wertermittlung des Geländes erfolgen. Sollte der Pachtvertrag nicht verlängert werden, ist zu befürchten, daß der Platz und das Clubheim einer neuen Nutzung weichen müssen.

Besonders schwer wiegt der Verlust des Club- und Jugendheimes, da an diesem Gebäude zahlreiche Mitglieder viele Stunden Eigenarbeit geleistet haben. Der Verlust des Sportplatzes wird dagegen als nicht tragisch angesehen, da dieser Platz -im Volksmund "Schwimmbad Prinzenplatz" genannt - ein ständiges Ärgernis ist. Doch noch ist nichts entschieden. Eine Alternative kann sich der Verein vorstellen: Das Gelände um das Altenheim Am Öhr.

Inzwischen ist der Pachtvertrag mit der Stadt ausgelaufen. Das Gelände wird für den Neubau der Verwaltungsgerichte benötigt. 1983 begannen dann die Bauarbeiten. Sportfest Der Verein konnte sich auf eine gelungene Anlage freuen. Als besonders gut wurde die Abweichung vom bisher üblichen starren Platzbau aufgenommen. Durch die neue Konzeption war es möglich, die Spielfelder wahlweise aufzubauen. Zitat: "Bei geschickter Ausschöpfung dieser Möglichkeiten wird man immer intakte Strafräume haben".

Noch war der neue Platz aber nicht fertig; der Prinzenplatz wurde noch weiter genutzt. So fand im Juni 1983 die letzte Gymnastikschau auf dem Gelände statt. Das Wetter machte diese Veranstaltung zur Wasserschau, es regnete, es war windig und der Platz wie üblich naß und rutschig.

Dann endlich im Mai 1985 konnte die neue Anlage genutzt werden. Die Eröffnung wurde mit einem Spielfest gefeiert, es gab für große und kleine Besucher zahlreiche Spiel- und Sportgeräte, Boccia, Hüpfbälle, Tauziehen, Torwandschießen und, und, und. Die Resonanz der Besucher war überwältigend: Etwa 4.500 Teilnehmer wollten es sich nicht nehmen lassen, dabeizusein. Damit ging, so Holger Plöhn, ein 25-jähriger "Leidensweg" auf dem Prinzenplatz zu Ende, da die Platzbedingungen doch sehr schlecht waren. Doch erstmal ging es an die Ausgestaltung der Räume des neuen Clubheimes. Der Arbeitskreis (bestehend aus Dieter Witte, Bernd Berwald, Wolfgang Winkler und Klaus Bloeck) für die Ausgestaltung des TSV Clubheims leistete ganze Arbeit. In diesem Zusammenhang muss Bernd Berwald nochmals erwähnt werden, hat er doch das Vereinswappen in mühevoller Arbeit geknüpft.

1986 verging ohne große Besonderheiten. Der TSV nahm, so wie Holger Plöhn es im Jahresrückblick formulierte "keine andere Entwicklung ..., als andere, vergleichbare Vereine im Kreissportverband Schleswig-Flensburg." Die Mitgliederzahl stagnierte. Als Grund nannte Holger Plöhn die geringere Geburtenrate in der Republik. Durch die somit einsetzende, geänderte Mitgliederstruktur müsse sich der Verein, so Plöhn, auf die Forderungen und Bedürfnisse der Mitglieder einstellen.

Dies konnte nur erreicht werden, weil wieder einmal viele Helferinnen und Helfer mit großem Einsatz improvisierten, da die Turnhalle der Bugenhagenschule bis zum Herbst 1987 nicht zur Verfügung stand und die Sporthalle der Dannewerkschule wurde ab den Sommerferien wegen Umbauarbeiten geschlossen. Auch der angestrebte Mitgliederstand von 1.000 konnte nicht erreicht werden. 1986 fehlten aber nur etwa 20 und 1987 40 Personen an der magischen Zahl. Die Mitgliedsbeiträge wurden ab Januar 1988 erstmals seit sechs Jahren wieder angehoben, da trotz sparsamster Haushaltsführung die Kosten davonliefen. Sportlich lag der Verein sehr gut im Rennen. Auch wurde 1988 eine neue Sparte ins Leben gerufen: Hannelore Göttsches wurde zur Spartenleiterin der Tennisabteilung gewählt. Auf zwei Außenplätzen sollten ab Mai ausreichende Spielmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

1990 dann ein Wechsel im Vorstand des TSV. Holger Plöhn, nun insgesamt 18 Jahre Vorsitzender des Vereins, übergibt sein Amt an Heinz-Harald Schmidt. H.-H. Schmidt, der dem Verein bisher 20 Jahre als 1. Schriftwart angehörte.

Zur Vorstandswahl 1992 kam es zu einem spannenden Wettbewerb zwischen den Bewerbern Volker Drews und Dr. Bernd Ahrens. Bei der Wahl erwies sich das Vereinsheim als zu klein, waren doch 118 stimmberechtigte Mitglieder erschienen. Dabei kam es zu dem Ausspruch von Dr. Ahrens, der sogar als Zitat des Tages in den Schleswiger Nachrichten erschien: "Muss ich selber Hafer fressen, um zu wissen, was dem Pferd schmeckt?" Mit 78 zu 33 Stimmen gewann Dr. Ahrens die Wahl. Sein Ziel sei es, den Verein auf gesunde Füße stellen zu wollen. Er hatte dabei das Haushaltsdefizit und das geringe Spendenaufkommen im Auge. Um die Finanzlücke zumindest teilweise decken zu können, wurden die Beiträge nach 1988 wiederum erhöht. Im Herbst 1992 fasste der Vorstand den Bau einer eigenen Tennisanlage ins Auge. Die Tennisspiele fanden im Sommer auf den Plätzen der Bugenhagenschule statt, im Winter wurde in der Tennishalle am Husumer Baum gespielt. Die Halle wurde später gemietet und bespielbar hergerichtet. Ein Kauf war nicht möglich, da die Stadt die Auflagen für die erforderlich Grundstücksteilung so hoch schraubte, daß an einen Kauf nicht mehr gedacht werden konnte. Ein eigener Neubau scheiterte dann letztlich an den hohen Kosten.

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Sonntag, 17. Dezember 2017 09:01
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